Bericht aus dem Kulturausschuss vom 06.07.2026: Kultur fördern, Ganztag vorbereiten und Vereine unterstützen

Ein besonders schönes Projekt auf der Tagesordnung war die Förderung des Fördervereins MARLEN e. V. Der Verein arbeitet seit längerer Zeit daran, den alten Schleppnetzkutter MARLEN aufzuarbeiten und wieder in Betrieb zu nehmen. Das Projekt befindet sich inzwischen auf der Zielgeraden. Für das Projektmanagement sowie anfallende Betriebs- und Sachkosten wurde für das Förderjahr 2026 eine Unterstützung in Höhe von 3.600 Euro beantragt. Der Ausschuss hat die Förderung vorbehaltlich der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel empfohlen. 

Die MARLEN ist nicht einfach nur ein altes Schiff. Sie ist ein authentisches Zeugnis der Nachkriegszeit und des DDR-Schiffbaus und erzählt ein Stück jüngere Wismarer Geschichte. Gleichzeitig kann sie künftig als außerschulischer Lernort genutzt werden und Kindern die Geschichte von Fischerei, Schiffbau und Hafen näherbringen. Wenn der Schleppnetzkutter wieder in Betrieb geht, entsteht außerdem eine weitere touristische Attraktion im Wismarer Hafen. Das Projekt verbindet damit Kultur, Bildung, Geschichte und Tourismus auf sehr schöne Weise.

Ein weiterer Punkt war der Sachstand zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung. Mit dem neuen Schuljahr startet der Rechtsanspruch zunächst für die Kinder der ersten Klassen. In den kommenden Jahren wird er schrittweise auf die weiteren Jahrgangsstufen ausgeweitet, sodass bis zum Schuljahr 2029/30 alle Grundschulkinder erfasst sind.

Im Ausschuss ging es vor allem um die Frage, wie gut Wismar auf diese Entwicklung vorbereitet ist. Wir haben uns unter anderem die aktuelle Auslastung der Horte und den Stand der Umsetzung angeschaut. Viele Angebote sind bereits gut ausgelastet. Gleichzeitig ist der Aufbau der entsprechenden Strukturen ein Prozess, der gemeinsam mit dem Landkreis begleitet und weiter evaluiert werden muss. Die Verantwortung für die übergeordnete Planung liegt beim Landkreis, trotzdem ist es für uns im Ausschuss wichtig zu wissen, wie sich die Situation in Wismar entwickelt.

Klar ist: Wenn entsprechende Ansprüche bestehen und Anträge gestellt werden, müssen diese auch umgesetzt werden. Deshalb werden wir auch weiterhin ein Auge darauf haben, ob die vorhandenen Kapazitäten mit dem wachsenden Bedarf Schritt halten.

Ein deutlich schwierigeres Thema war die Umsetzung der Haushaltssperre beziehungsweise der Sparvorgaben im Teilhaushalt 07. Nach der Genehmigung des Doppelhaushalts für die Hansestadt Wismar wurde der Stadt unter anderem auferlegt, bei den laufenden Kosten nochmals zwei Millionen Euro einzusparen.

Das ist gerade für unseren Ausschuss eine große Herausforderung. Denn viele Aufgaben, die wir betreuen, sind sogenannte freiwillige Leistungen. Dazu gehören beispielsweise Teile der Kultur- und Sportförderung. Bei Pflichtaufgaben gibt es deutlich weniger Spielraum, sie müssen von der Stadt gewährleistet werden. Bei den freiwilligen Leistungen stellt sich deshalb jetzt die schwierige Frage: Wo kann eingespart werden, ohne dass unsere Vereine, Kulturschaffenden, Sportlerinnen und Sportler sowie andere engagierte Akteure vor Ort unverhältnismäßig belastet werden?

Die Verwaltung befindet sich dazu derzeit in Gesprächen mit den verschiedenen Projekt- und Maßnahmenträgern. Noch ist nichts endgültig entschieden. Es geht zunächst darum, Möglichkeiten auszuloten und Lösungen zu finden, mit denen die Auswirkungen für die Vereine und Initiativen möglichst gering gehalten werden können. Zwei Millionen Euro bleiben allerdings zwei Millionen Euro. Deshalb wird uns dieses Thema definitiv noch weiter beschäftigen.

Im sonstigen Teil der Sitzung haben wir uns außerdem mit dem Verein MOYO – Mobiler Jugendklub e. V. beschäftigt. Der Verein hat Landesmittel erhalten, um einen Bus zu einem mobilen Jugendklub umzubauen. Damit soll Jugendarbeit dort möglich werden, wo entsprechende Angebote fehlen oder junge Menschen direkt vor Ort erreicht werden können.

Für die Sitzung war ein Austausch mit dem Verein geplant. Leider konnte dieser Termin kurzfristig nicht wahrgenommen werden. Wir haben deshalb zunächst anhand der schriftlichen Informationen über das Projekt und mögliche Anknüpfungspunkte für die Stadt gesprochen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, dass die Hansestadt das Projekt finanziell gefördert hätte. Die Förderung kommt vom Land. Trotzdem gibt es gerade im Bereich Jugend durchaus Berührungspunkte mit der kommunalen Arbeit.

Deshalb möchten wir den Verein im September erneut in den Ausschuss einladen. Ein wichtiger Punkt soll dabei sein, ganz praktisch zu schauen, wo die Stadt unterstützen kann. Das kann beispielsweise bei Fragen zu Genehmigungen, Auflagen oder der Nutzung öffentlicher Flächen sein, wenn der mobile Jugendklub in Wismar unterwegs ist.

Nach oben scrollen